Race-Recap: Vierbergelauf 2014

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Mein erstes, sportliches Highlight des Jahres 2014 war zwar spontan, aber dann doch sehr bewusst gewählt: der Vierbergelauf in Kärtnen. Eigentlich habe ich seit März hart für einen Halbmarathon Anfang Mai trainiert und hatte auch ziemliche Freunde damit, nur ging es mir irgendwann nicht mehr so gut dabei. Ich denke, dass ich momentan sicher in Topform bin, aber ich hatte irgendwann (Gott sei Dank) nicht mehr genug Zeit, um Training, Tiere versorgen, Studium und das eigene Leben – all das in einen Tag zu packen, sodass ich mich vor ein paar Tagen gegen den Start beim HM und für die Wanderung entschieden habe. 52 km, 2000 Höhenmeter – und vor allem kein LAUF, kein Zeitdruck, keine Besessenheit!

Ich bin meist auf die Minute verplant, nutze jedes Minütchen aus, sodass i erst 1 h vor Abfahrt meinen Rucksack (erfolgreich) suchen ging. Der wurde dann gleich gepackt (zweites Paar Schuhe, 2 T-shirts, 1 Paar Socken, 1 Jause für die Nacht, 2 Äpfel, Blasenpflaster, Regenschirm, Taschentücher, Wasserflasche) und schon ging’s mit einem Gruppenbus los auf den Magdalensberg. Oben noch nicht einmal angekommen, sahen wir schon die ersten Leute wieder runter wandernd. Ihnen bedeutet die Kirche nichts, es sind so viele Leute oder sie wollen einfach als erste am Lorenziberg ankommen – wer weiß; verstehen tu ich es nicht!

So gingen wir nach der Messe um 0:30 vom Magdalensberg mit. Ganz ehrlich, von der Masse bekommt man NICHTS mit; man wandert einfach – vor einem sind Leute, hinter einem sind Leute – eben so viele, wie man halt im Blickfeld hat. Die kann man aber ganz einfach überholen oder man wird selbst überholt. So trottet man dann 2 h Bergab – teils Asphalt, teils Wald- und Wiesenweg. Je länger man abwärts geht und je mehr man sich eben so anstrengt, umso kälter und ungemütlicher wird es. Die meisten sind aber noch topmotiviert und man hat ja im Abwärtsgehen auch genug Schwung, sodass man leicht nach 2 Stunden im ersten Gasthaus, dem Gasthaus Fleissner, ankommt. Hier gab es auch für mich die erste Jause – hatte extra viel Abendgegessen und nicht damit gerechnet, dass ich in der Nachts etwas brauchen werde, merkte aber, dass meine Energie schwindet bzw. für die Wärmeisolation benötigt wird. So bekam ich auch eine weiter (3.!) Fleecejacke von einer Mitgeherin, da mir einfach ungemütlich kalt wurde. Die nächsten 30-40 Minuten waren schrecklich; man geht geradeaus so dahin, die Augen fallen einem zu und das Gehirn verarbeitet nur schwer den dauernden Wechsel durch die zu locker in den Händen liegenden Taschenlampen – das dauernde Hell-Dunkel-Spiel machte mich komplett fertig, sodass ich die Taschenlampe wegpacken musste, denn in Verbindung mit Sekundenschlaf-Bruchstücken, war mir teilweise wirklich schlecht vor lauter Müdigkeit. Aber eben um 3 beginnt der erste Aufstieg, die erste wirkliche Anstrengung, bis man etwa um halb 4 in Pörtschach am Berg ankommt. Hier wurde um 4 die erste Messe gehalten, sodass man in der ersten Labestation (Reindling und Kaffee) gemütlich zuschlagen konnte. Natürlich habe ich auch zugeschlagen – wer kann Reindling schon wiederstehen?!

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Nach Pörtschach geht es wieder etwa 45 min leicht aufwärts auf Feldwegen dahin, bis der nächste steile Aufstieg ansteht. Durch die heurigen Schneemassen war auch der Weg ziemlich zerstört, sodass man teilweise im Gänsemarsch steil aufwärts treten musste. Das dauernde Stop&Go machte mich ganz fertig, sodass ich (kleine Leute sind hier schwer im Vorteil) mich bei gefühlten 1000 Menschen vorschwindelte und dann um etwa 5:15 den Ulrichsberg erreichte. Ich schwitzte leider wie verrückt, sodass ich mich auszog und dann noch 30 Minuten auf meine Wanderkollegen warten musste. Böser Fehler: mir wurde wieder extrem kalt; das Warten gleich auf die Anstrengung war definitiv falsch!! Hier ging auch die Sonne auf, und man hatte einen wundervollen Ausblick hinunter ins Tal. Im Hintergrund mit dem riesigen Gipfelkreuz und der offenen Kirchen-Ruine (Gott weiß was das sein soll) wirklich schön!!

Kurz vor 6 machten wir uns auf den Weg nach Karnberg; quer durch den Wald, und erreichten eben 1 h später Karnberg, wo auf einem großen Feld die angeblich schönste Messe (mit dem Bischoff) gehalten wird. Ich aber verließ vorzeitig die Gruppe und machte mich schon auf den Weg, da ich plante, um die Mittagszeiten bei Freunden, die am Weg lagen, einzukehren und mich dann wieder an die Gruppe anzuschließen.

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Eigentlich war es so eh viel schöner: man genießt alleine viel mehr die Landschaft und das Ambiente allgemein. Einzig wurde ich leider vom Ehrgeiz gepackt (was ich ja eigentlich vermeiden wollte, da hätte ich gleich den HM laufen können!) und begann, immer mehr Menschen zu überholen und mich langsam an die Spitze zu kämpfen. Vorbei an Zweikirchen gönnte ich mir nach dem Frühstück im Gehen (halben Kornspitz von der Jause, 2 Äpfel) wieder eine Reindlingscheibe von einer lieben Frau und gab stattdessen ihrem Mädchen ein Paar Süßigkeiten in ihr Zuckerl-Körbchen. So ging es anfangs wieder 30 Minuten an der Glan entlang durchs Tal. Die Landschaft war wieder traumhaft; das Wetter spitze; die Sonne schien mir ins Gesicht und erstrahlte das Tal. A Traum! Bis es langsam, aber sicher, mit dem Aufstieg auf den höchsten Berg, den Veitsberg, ging. Der Aufstieg beginnt eben nur sehr langsam und schleppend, und ich frage mich ernsthaft, woher ich die Motivation und die Energie bekam, denn ich ging wie eine Maschine und konnte Mensch nach Mensch überholen, wobei man natürlich die lustigsten Gestalten trifft; deren Gespräche kurz mithört und dann an ihnen vorbei ziehen kann. So lernte ich auch ab Liemberg, der letzten Ortschaft vor dem Veitsberg, einem Mann kennen, der, motiviert durch meine Überholmanöver, sich mir anschloss, aber leider an der Blutswiese, der letzten Wiese vor dem Gipfel, bei der eigentlich schon wieder alles vorbei ist, musste er aufgeben – er konnte nicht mehr! Und dass mit einer sub-4-Stunden Marathonzeit! Höhö! (Halbmarathon, ich hätte dich laufen sollen!!)

Beschwingt durch den Genuss und das Gefühl, so super trainiert zu sein, kam ich vor 9 am Gipfel an. Man sagt, dass wenn man die Kirchenglocke betätigt und danach 3 Mal um die Kirche geht, bekommt man einen treuen Partner. Mir war das ehrlich gesagt zu blöd – ein treues Pferd habe ich schon hehe; was will man mehr? Und so begann ich mit dem Abstieg. Wieder wurde ich Teil einer schnellen Gruppe – sie gingen bereits vor 23 Uhr weg und waren erstaunt über meine Motivation und meine Schnelligkeit. Auch sie gingen ohne viele Stopps; denn sie wollen früh am Ende sein.

Aber ganz ehrlich: wenn ich unbedingt der/die Erste sein möchte, dann geh ich doch trotzdem mit allen gleichzeitig weg, oder? Wie extrem schummelnd ist es denn bitte, schon mal 90 Minuten früher wegzugehen und sich dennoch an den ersten Plätzen zu loben?? Und wo macht das Sinn; wo hat das was mit einer „Wallfahrt“ zu tun??

Ok, rant over. Jedenfalls ging es bergab! Im Graben angekommen sah ich das erste Haus – und, so Gott es wollte, waren es meine Freunde!! Wuhuu! Zuerst wurde mal ein paar Minuten nur gelacht und gestaunt, ich konnte meinen Rucksack ablegen und wurde mit vielen Broten, Reindling und Saft belohnt und konnte mich mal in die Sonne setzen und genießen!!

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Leider aber war ich 4 h zu früh – meine Mitgeher blieben beim alten Zeitplan (inklusive Besuch der Messen um die jeweilige Uhrzeit), sodass sie erst um halb 2 eintrafen und wir auch bald wieder weitergehen mussten. In der Zwischenzeit hab ich natürlich nichts wirklich getan, sodass es mir wieder etwas schwerfiel, in den Wanderrhythmus zu kommen; doch die Aussicht auf das letzte Fünftel der Reise war dann doch zu schön. Also begannen die letzten, etwa 14 Kilometer.

So ging es etwa 1 h gemütlich dahin, bis es wieder 20 Minuten steil aufwärts ging in die letzte Ortschaft, Sörg. Hier machte ich nochmal Pinkelpause, bis der wirklich letzte Teil begann. Wir verließen Sörg bei etwa 850 Höhenmeter – der Lorenziberg liegt bei über 950. Anfangs topmotiviert über den geringen Höhenunterschied, musste ich dann leider feststellen, dass es wieder abwärts ging!! Und so führte uns der Weg, sich ewig streckend, viele Kurven führend, wieder 90 Minuten zum Lorenziberg, wo wir um etwa 16:00 müde ankamen. Ich war sehr hungrig, konnte aber als Vegetarier nur Reindling essen; es gab nur Frankfurter, Gulasch oder eine (Rindsbrühe) Suppe und eben Reindling. Da war ich dann schon sehr frustriert – nächstes Mal (?) wird mehr Jause eingepackt, damit die Energieversorgung optimaler abläuft!

Nach der Messe – also nach 30 minütigem Warten bis sie beginnt und dem Glaubensbekenntnis machten wir uns wieder 30 Minuten auf den Weg, um zur Straße (also nur abwärts!) zu gelangen, wo unser Bus auf uns wartete. Die Füße waren müde und überanstrengt, führten aber dennoch sicher nach unten. Da wir aber noch auf den Rest der Mitfahrer warten mussten, saßen wir erstmals einfach fertig im Bus – gedankenverloren, erschöpft und doch total glücklich über die Bewältigung.

Ich kam anschließend um 19:30 zuhause an und musste trotz Müdigkeit einmal was richtiges essen. Gestärkt ging ich um etwa 21:00 ins Bett und schließ ohne Probleme ein. Nach einem tiefen, erholenden Schlaf wurde ich um etwa 7:00 (Frühstückszeit!!) munter, und verspeiste in der Tat gleich ein Riesenfrühstück. Meine Beine schmerzen erstaunlicher Weise wenig, ich war auch schon kurz Radfahren, Reiten und Rasenmähen, den einen Ruhetag habe ich mir aber eindeutig verdient.

Allem in allem war es eine super Erfahrung – die Wanderung, die Länge der Wanderung, die Anstrengung, die Leute, die Kirchen, das Mystische, das Kirchliche – es war die Strapazen definitiv wert. Obwohl ich im Bus noch gezweifelt habe, bin ich heute z.B. wieder topmotiviert für nächstes Jahr; entweder alleine alles schnell durchgehen (der Ehrgeiz ruft), oder in einer größeren Truppe den Schnatterspaziergang mit Sitzenbleiben und Genießen sich gönnen. Es ist auf jeden Fall eine super Erfahrung, macht Spaß – nur eben wenn man gemütlicher geht, sollte man gute Gesellschaft haben, weil irgendwann macht das dauernde Warten (z.B. am Ende bis der Bus endlich fährt!) wirklich keinen Spaß mehr! Sonst würde ich alleinige Anreise (müsste man halt organisieren) bzw. Abreise empfehlen, dass man auch wirklich heim kann, wenn man will (und keine Menschen mehr sehen will, haha) – weil irgendwann zieht es sich doch!

Das (und mehr!!) bin ich gerade abgewandert!! Bild

 

 

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Erstes Event 2014: Vierbergelauf!!

Change is good! Spontanität ist gut! 🙂

Wanderkarte VierbergelaufEigentlich hätte mein Sportjahr 2014 ja mit dem Halbmarathon kommenden Sonntag beginnen sollen; dafür trainiere ich ja jetzt auch schon seit, äh ja, letztem Jahr! Leider aber merke ich selbst oft, wie ich mich ein wenig übernehme. Ich bin definitiv in Topform und könnte sicher eine sehr gute Zeit laufen, aber irgendwie fühlt es sich nicht ‚gesund‘ an. Das Training war super, die Freude zu laufen wäre da, aber irgendwie bin ich zu verbissen geworden; und – ich kann es nicht anders erklären als – es fühlt sich nicht nach „healthy and happy“ an.

Um von dem ganzen „Stress“, dem Leistungsdruck und Trainingsdruck und was auch immer ein wenig herunter zu kommen, bin ich diese Woche auf den Vierbergelauf gestoßen. Das ist eine Wallfahrt bei mir zuhause, die über 4 Berge (über 50 km, über 2000 Höhenmeter) führt, und traditionell am Dreinageltag (2 Wochen nach Ostern) stattfindet; wobei man nach der ersten Messe um 0:00 startet und gegen 16:30 zum Schlusssegen eintreffen sollte!

Ich freue mich schon sehr – darauf zu sehen, dass man nicht rennen muss. Das man gleich schnell sein „darf“ oder „muss“ wie andere, dass man nicht die erste sein muss – dass man das Leben und auch den Sport, die Bewegung auch genießen kann. Bilder und Impressionen gibt’s dementsprechend am Wochenende. Jetzt muss ich meinen Rucksack fertig packen!!